30.08.2012 Workshop zur LGG-Novellierung

Workshop des ver.di-Landesbezirks NRW

30. August 2012 in Düsseldorf

Anmeldungen bis zum 10.08.2012

Ausschreibung workshop 30 August 2012 (3)

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Begrifflichkeiten aus der Geschlechterpolitik- einfach erklärt

Was heißt eigentlich….

…Gender?

  • Gender steht für das soziale Geschlecht, also im Gegensatz zum biologischen Geschlecht (sex), dass das angeborene männliche oder weibliche Geschlecht meint, ist Gender die gesellschaftliche Geschlechterrolle, die häufig auch „typisches“ Verhalten und Kleidung bestimmt.

…Gender Mainstreaming?

  • Gender Mainstreaming bezeichnet das Mitdenken von Geschlechterthemen in allen Themenbereichen und  in allen Institutionen, um so eine Gleichstellung auf allen Ebenen zu erreichen. Gleichstellung soll also quasi kein Einzelfall bleiben, sondern Mainstream werden

…Genderkompetenz?

  • Genderkompetent zu sein bedeutet je nach Zusammenhang, gleichstellungsrelevante Problem- und Fragestellungen in allen Lebensbereichen zu erkennen und mit dem Ziel der Gleichstellung der Geschlechter daran zu arbeiten. Dazu gehört zum Beispiel die Auseinandersetzung mit Diskriminierung.

…Gender Pay Gap?

  • Als Gender Pay Gap wird die „finanzielle Lücke“ bzw. der Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen bezeichnet. In Deutschland ist dieser Unterschied mit durchschnittlich ungefähr 23% geringerem Gehalt, das Frauen beziehen, sehr hoch. Sie existiert aber in allen Ländern der EU. Auch wenn ein geringerer Ausbildungsgrad oder das unterschiedliche Einkommen in geschlechtertypischen Berufsfelder eingerechnet werde: Die Pay Gap existiert auch bei gleicher Arbeit, im gleichen Job, bei gleichen Arbeitgebenden. Besonders häufig betroffen sind Frauen, die während ihrer Berufstätigkeit in eine Babypause gehen.

…Geschlechtergerechte/gendersensible Schreibweise?

  • Bei der geschlechtergerechten Schreibweise wird darauf geachtet, dass sich von Formulierungen, die sich auf das Geschlecht einer Person beziehen, alle Menschen angesprochen fühlen können, wenn auch alle gemeint sind. Das „generische Maskulinum“, also die männliche Form eines Wortes zu verwenden und damit dann alle Geschlechter zu meinen, soll ersetzt werden durch eine neutrale Form (Studierende statt Studenten) oder durch Schreibweisen wie das „Binnen-I“ , die beide Geschlechter in einem Wort markieren (StudentInnen). Favorisiert werden neuerdings auch die „Gender-Gap“ (Student_innen) oder das Sternchen (Student*innen) weil dadurch eingeräumt wird, das es nicht nur Männer und Frauen gibt, sondern auch Menschen, die sich keinem dieser Geschlechter zuordnen können oder möchten. Im schwächsten Fall werden zumindest beide Geschlechter genannt (Studentinnen und Studenten).

…Geschlechterrolle?

  • Geschlechterrollen umfassen die Verhaltensweisen, die typischerweise in einem bestimmten Kulturkreis einem Geschlecht zugeordnet werden und deren Einhaltung häufig Vorraussetzung für die gesellschaftliche Akzeptanz der Person ist. Dass Frauen Röcke tragen, Männer aber nicht, gehört z.B. zu ihrer auferlegten Geschlechterrolle in der Gesellschaft. Daran sieht man, dass Geschlechterrollen sich selten logisch erklären lassen und meist ziemlich altbacken daher kommen.

…Queer Theory?

  • Die Queer Theory beschäftigt sich mit dem Zusammenhang von gesellschaftlichen Geschlechterrollen bzw. dem sozialen Geschlecht, dem biologischen Geschlecht und dem sexuellen Begehren. Aus ihr ist eine ganze Bewegung hervorgegangen. Queer steht für alle, die sich „anders“ fühlen, das Wort, das ursprünglich eine negative Fremdzuschreibung im Englischen war vereint nun – ähnlich wie LSBTTI, s.u.- Menschen, die für die Akzeptanz ihrer Lebensweise kämpfen und sich dazu gemeinsam bilden.

…transgender?

  • Transgender ist ein Begriff für Menschen, deren sexuelle bzw. soziale Identität von ihrer biologischen abweicht, was nicht zu verwechseln ist mit sexueller Orientierung, also hetero- oder homosexuell zu sein. Im Gegensatz zu Transsexuellen, die sich häufig in den Körper des anderen Geschlechts wünschen, identifizieren sie sich lediglich mit der jeweils anderen Geschlechterrolle.

…transsexuell?

  • Als transsexuell werden Menschen bezeichnet, die biologisch gesehen einem Geschlecht zuzuordnen sind, dem sie sich aber nicht angehörig fühlen und sich dementsprechend auch ihrem empfundenen Geschlecht nach verhalten und kleiden.  Da transsexuelle Menschen häufig das Gefühl haben im „Falschen Körper“ geboren worden zu sein, gibt es einige, die operativ eine Geschlechtumwandlung vornehmen lassen.

…LSBTTI?

  • Ein Sammelbegriff für Menschen, die lesbisch, schwul, bisexuell, transgender, transsexuell oder intersexuell leben und gemeinsam für die Akzeptanz ihrer Lebensentwürfe kämpfen

Jana Herrmann: Kristina Schröder – Nicht meine Ministerin!

Nicht meine Ministerin!-

Happy Birthday! Das Frauenbild von Kristina Schröder wurde zum Erscheinungstag ihres Buches 9000 Jahre* alt- warum ich nicht mit feiern werde:

Dass ich auf Frau Schröder als Ministerin verzichten kann, weiß ich eigentlich schon, seit mir ihre Kampagne gegen Linksextremismus versucht hat, weiss zu machen, dass ich als Antifaschistin eigentlich genauso schlimm bin wie ein Neonazi.

Gelesen habe ich ihr Buch „Danke-emanzipiert sind wir selber“ trotzdem. Damit stehe ich in meinem Freund*innenkreis ziemlich allein da. Und das ist auch gut so!

Denn Kristina Schröder schreibt vor allem aus ihrer eigenen Perspektive, für Frauen, die sich in der gleichen Lebenssituation befinden: 30 bis 40 Jahre alt, mit einem oder mehr Kindern und abgeschlossener Berufsausbildung. Vorzugsweise besser verdienend. Das auf 200 Seiten benannte Problem und die von ihr ersonnene Lösung lassen sich eigentlich recht schnell zusammen fassen: Verschiedene Frauen favorisieren unterschiedliche Lebensmodelle. Aber egal wofür frau sich entscheide, werde sie bewertet und kritisiert. Zudem seien Arbeitgebende zu unflexibel, was die Arbeitszeitgestaltung betreffe. Gerade Männer hätten darunter zu leiden, da bei ihnen der Wunsch nach Teilzeitarbeit noch sehr exotisch sei und daher oft verwehrt werde. Ihr relativ eindimensionaler Vorschlag ist jetzt, dass halt alle Frauen flexibel mit ihrem Mann absprechen müssen, wie sie es denn mit der Arbeitsaufteilung halten wollen. Die Männer seien nämlich gar nicht so diskussionsunwillig, sondern ganz im Gegenteil von ihrer traditionellen Ernährerrolle auch belastet . Damit ist ihr Job als Ministerin dann auch geklärt: Alle so machen lassen, wie und was sie wollen.

Eine Gender Pay Gap von 23 Prozent? – „Das ist schlicht und einfach falsch.“

Dass frei zu wählen nicht wirklich möglich ist, da Frauen generell einfach weniger verdienen, ist bei Frau Schröder nur ein Nebensatz. Generell bewertet sie die strukturelle Benachteiligung der Frau auch eher als statistischen Effekt: Frauen wären bei gleich qualifizierter Arbeit erst dann schlechter bezahlt, sobald sie Mütter würden. Zudem ließen sich Verdienstunterschiede häufig auch durch persönliche Präferenzen erklären und hätten nur selten etwas mit Geschlechterdiskriminierung zu tun. Viele Frauen hätten eben vor einem gut bezahlten, aber stressigen Job die Priorität, für die Familie zu sorgen und erwarteten von ihrem Mann daher, arbeiten zu gehen. Wie beruhigend zu wissen!

Schröders Ratschläge und Positionen sind…

Aber eigentlich wollte ich ja wissen, was dieses Buch MIR für Ratschläge gibt. Ich habe noch keine Kinder. Ich weiß gar nicht, ob ich mal heiraten will. Was lerne ich hier also?  Zunächst mal, dass ich keinesfalls einer Feministin trauen darf. Also keiner Frau, die sich so nennt, oder von Frau Schröder so benannt wird. In ständiger Wiederholung lese ich, dass die Feministin an sich (Prototyp: Natürlich Alice Schwarzer) eine „Fanatistin“ ist. Beinahe ein Drittel des Buches beschäftigt sich in Kapiteln wie „Der feministische Selbstwiderspruch: Emanzipation predigen, aber Bevormundung ausüben“ oder „Der feministische Beißreflex: Feindbild Mann“ mit Diffamierung von Frauen, die dafür gekämpft haben, dass Kristina Schröder heute in Berlin auf ihrem Minister*innenposten sitzen kann. Die Vorwürfe: Der Feminismus – wer auch immer er in Persona sein mag – kämpfe gegen Männer als Gegner im Gefecht um eine gesellschaftlich stärkere Position.  Der Feminismus entmündige Frauen und mache sie schwach und abhängig: „Zu dieser Attitüde gehört die Gouvernantenhaftigkeit, mit der Feministinnen Frauen zu schützenswerten Wesen erklären, statt sie als selbstbewusste Gestalterinnen ihres eigenen Lebens ernst zu nehmen und zu unterstützen.“

… zum Kotzen!

Doch während es einfach nur dumm ist, nicht sehen zu wollen, dass gerade junge Frauen Stärkung und Empowerment aus Frauenpolitik mitnehmen, um das zu sagen, was sie denken und das zu fordern, was sie verdienen, ist etwas anderes wirklich gefährlich und – pardon – echt zum Kotzen: Frau Schröders Auseinandersetzung mit sexueller Gewalt:

„Dem allumfassenden Schutzanspruch des Weltanschauungsfeminismus jedenfalls leistet der vorherrschende Alarmismus Vorschub. Die gefühlte Bedrohungslage rechtfertigt die Einebnung des Unterschieds zwischen Frauen, die des Schutzes wirklich bedürfen und Frauen, die in der Lage sind, für sich selbst Grenzen zu ziehen und sich selbst zu schützen.“

Liebe Frau Schröder,

Sie haben Recht damit, dass Frauen weiterhin kurze Röcke und hohe Schuhe tragen können sollten, ohne sich in Gefahr zu fühlen. Vielleicht ist Ihnen entgangen, dass Bewegungen wie der „Slutwalk“ sich längst dafür stark machen. Sie haben Recht damit, dass Männer per se nicht der Feind sind und sich gemeinsam mit Frauen für Gleichstellung stark machen können. Das tun sie auch! Aber zu behaupten, sexuelle Gewalt sei etwas, dem sich Frauen entziehen können, in dem sie „Grenzen ziehen“, und damit den Weg frei zu machen für all die Arschlöcher, die behaupten, wer vergewaltigt werde, sei doch selbst schuld – das ist ist das schlechteste Vorbild für Frauen, das man als Ministerin abgeben kann! Danke, verarschen kann ich mich selber! Darum bitte, tun sie einmal in ihrer Amtszeit etwas für Familien, Frauen und Jugend und treten sie zurück.

Sie sind nicht meine Ministerin!

*9000 Jahre sind geraten -> vor 9000 Jahren etwa endete die Steinzeit

Gender Pay Gap: Die Spaltung zwischen Mann und Frau in der Bezahlung für Lohnarbeit. Frauen verdienen in der Regel weniger als Männer, für die gleiche ausgeübte Tätigkeit

Slutwalk: Demo-Bewegung, bei der die Demonstrant*innen in ungewöhnlichen oder „sexy“ Outfits auf die Straße zu gehen um zu zeigen, dass das attraktive Aussehen des Opfers keine Entschuldigung für einen sexuellen Übergriff sein kann

Jana Herrmann, 2012